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Korrektur von Automaten in der Klausur

+1 Punkt
171 Aufrufe
Hallo zusammen,

wie erfolgt die Korrektur von Aufgaben, bei denen man z. B. einen Kellerautomaten oder eine Turingmaschine angeben muss? Hier gibt es häufig sehr viele Möglichkeiten, daher würde mich interessieren wie es auch mit der Vergabe von Teilpunkten aussieht etc.
Gefragt 9, Feb 2017 in Allgemeine Fragen von Anonym  
Können Sie die Frage ein bisschen präzisieren? So allgemein kann ich das nicht beantworten, da es, wie Sie sagen, viele Möglichkeiten gibt.
Es gibt einerseits viele Möglichkeiten, solche Aufgaben komplett richtig zu lösen; in dem Fall bekommt man die volle Punktzahl. Worauf ich hinauswill, ist dass es noch deutlich mehr Möglichkeiten gibt, eine "halb richtige" Antwort zu geben, sprich einen richtigen Ansatz mit einem Fehler irgendwann im Verlauf der Lösung. Mich würde interessieren, wie solche Fälle gehandhabt werden, was die Bepunktung angeht.

Eine Antwort

0 Punkte

Genau, also richtige Lösungen gibt es erstmal viele, und außer bei endlichen Automaten, wo wir ja manchmal explizit nach dem minimalen Automaten fragen, werden wir niemals Punkte für zu umfangreiche Lösungen abziehen. Wenn Sie mehr Zustände, Bandsymbole etc. benötigen als die Musterlösung, ist das egal.

Ist eine Lösung falsch, dann wird es komplizierter.

Wir legen uns zunächst immer ein paar Standardmethoden zurecht, denn oft ergeben sich ganz typische Fehler immer wieder. Das ergibt sich so im Lauf der Korrektur der ersten paar Klausuren relativ schnell und wird dann für den Rest festgesetzt. Wir sehen etwa, dass jeder zweite an der und der Stelle in den falschen Zustand springt und sagen dann, dass das pauschal einen Punkt Abzug gibt oder so. (Solche Standardfehler geben normalerweise nicht viel Abzug.)

Dann gibt es Nicht-Standard-Fehler, die aber noch einigermaßen verständlich sind in Bezug auf Ihre Intention (wir nutzen hier zur Analyse auch den XWizard). Wenn wir sehen, dass Sie dies oder jenes implementieren wollten, sich aber irgendwo vertan haben, dann schauen wir (sehr wohlwollend), was die kleinste mögliche Änderung wäre, damit Ihre Lösung doch noch funktioniert und gehen dann - im Zweifel für den Studierenden - davon aus, dass genau dieser minimale Fehler passiert ist. Für diesen minimalen Fehler vergeben wir einen entsprechenden minimalen Abzug. (Sie sehen, dass uns bewusst ist, wie kompliziert Automaten werden können, deshalb korrigieren wir kulant, sobald wir gesehen haben, dass Sie das Prinzip verstanden haben. Oft verheddern sich Studierende in ihren eigenen Lösungen, die gar nicht so kompliziert sein müssten - und das dann auch noch mit harten Abzügen zu bestrafen wäre unnötig.) Solche Fälle zählen immer noch zu den handhabbaren (ebenso wie die ganz und gar grottenfalschen, die wir hier mal außen vor lassen).

Allerdings sind Turingmaschinen und Kellerautomaten so komplizierte Gebilde, dass es auch mal (sehr selten, aber doch hin und wieder) zu Lösungen kommt, die wir beim besten Willen nicht verstehen - in dem Sinne, dass sie zwar fehlerhaft sind, aber irgendwie auch nicht ganz verkehrt, wo wir aber nicht herausfinden können, was Sie sich dabei gedacht haben. Dann kann es auch mal sein, dass wir weniger Punkte vergeben als in Anbetracht Ihrer wirklichen Intention, die wir ja nicht kennen, richtig gewesen wäre. In solchen Fällen schreiben wir in die Klausur hinein, dass wir die Lösung eventuell nicht ganz verstanden haben. In der Klausureinsicht dürfen Sie uns in einem solchen Fall nochmal nachträglich erklären, was Sie sich gedacht haben, und vielleicht gibt es dann noch das eine oder andere Pünktchen dazu... Es ist also durchaus sinnvoll, in die Klausureinsicht zu gehen! Aber wie gesagt, das ist wirklich selten der Fall, denn wir stellen die Aufgaben bewusst so, dass die Lösungen nicht beliebig ausufern können.

Sie sehen, Automaten zu korrigieren ist eine Kunst für sich... Aber wir geben uns große Mühe, das in Ihrem Sinn zu tun.

Beantwortet 9, Feb 2017 von Lukas König Dozent (10,065,100 Punkte)  
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